Audiowalk «Zeitfluss – dem Dorfbach entlang» – 4. Juni 2026

4. Juni 2026: Audiowalk «Zeitfluss – dem Dorfbach entlang»

Mit dem Audiowalk «Zeitfluss – dem Dorfbach entlang» lädt die Kulturelle Vereinigung Küsnacht zu einer klangvollen Entdeckungsreise ein: 13 Hörstationen zwischen Ortsmuseum und Seeufer lassen Vergangenheit und Gegenwart unserer Gemeinde auf ungewöhnliche Weise miteinander in Dialog treten – durch historische Fakten, persönliche Erinnerungen und szenische Miniaturen, gestaltet von Mitgliedern der Schauspielgruppe «Die Kulisse» sowie Kindern und Jugendlichen aus Küsnacht und Thalwil.

Unser Vereinsanlass bietet die Gelegenheit, diesen Audiowalk in geführter Form kennenzulernen. Das Konzept wird eingeführt, gemeinsam begangen und im anschliessenden Gespräch vertieft.

Küsnachter Dorfbach beim Tobelausgang, um 1911

Küsnachter Dorfbach beim Tobelausgang, um 1911. Fotoquelle: Archiv OMK 035586.


Die Führungen

Der Rundgang wird in Gruppen von maximal 15 Personen durchgeführt. Die Leitung übernehmen:

  • Gruppe 1: Regina Neukom und Renate Muggli
  • Gruppe 2 (bei Bedarf): Elisabeth Abgottspon und/oder Martine Peyer

Quiz mit Preis

Ein unterhaltsames Quiz begleitet den Rundgang. Für das richtige Lösungswort winkt ein Give-away des Ortsmuseums Küsnacht.


Praktische Informationen

  • 📅 Datum: Donnerstag, 4. Juni 2026
  • 🕓 Beginn: 16.00 Uhr
  • 📍 Treffpunkt: Ortsmuseum Küsnacht, Tobelweg 1
  • 👥 Gruppengrösse: maximal 15 Personen pro Gruppe
  • 🎟 Kosten: Vereinsmitglieder kostenlos · Nicht-Mitglieder CHF 20.–
  • 📩 Anmeldefrist: Smstag, 23. Mai 2026

Weitere Informationen zum Audiowalk: www.audiowalk-kuesnacht.ch

Blick auf Werkgebäude und Ortsmuseum Küsnacht

Station 2: Blick auf das ehemalige Werkgebäude und das Ortsmuseum Küsnacht – Startpunkt des Audiowalks. Foto: Otti Bisang, März 2024.


Anmeldung

Eine Anmeldung ist erforderlich. Bitte melden Sie sich bis 23. Mai 2026 per E-Mail an:

📧 walther.fuchs@ortsgeschichte-kuesnacht.ch

Bitte nennen Sie Ihren Namen und ob Sie Mitglied des Vereins Ortsgeschichte Küsnacht sind.

Plätze sind beschränkt – Anmeldung bis spätestens 23. Mai 2026.


Rückblick: Ein Nachmittag am Dorfbach

Trotz regnerischem Wetter liessen sich 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Premiere des geführten Audiowalks nicht entgehen – ein schönes Zeichen für das Interesse an diesem ungewöhnlichen Kulturprojekt.

Der Audiowalk «Zeitfluss – dem Dorfbach entlang» ist ein gemeinsames Projekt der Kulturellen Vereinigung Küsnacht und des Ortsmuseums Küsnacht. An 13 Hörstationen vom Ortsmuseum bis ans Seeufer erwecken historische Fakten, Oral-History-Zeugnisse und szenische Miniaturen die Geschichte der Gemeinde zum Leben. Der rote Faden ist der Dorfbach – er verbindet die Stationen und trägt die Erzählungen durch Jahrhunderte. Wer den Walk am Stück absolviert, ist rund anderthalb Stunden unterwegs. Text und Regie der Hörspiele stammen von der Theaterschaffenden Renate Muggli, die während 30 Jahren in der Küsnachter Schauspielgruppe Die Kulisse aktiv war. Für die Recherche zeichnete Martine Peyer von der Kulturellen Vereinigung verantwortlich, die das Archiv des Ortsmuseums und die Küsnachter Jahrbücher systematisch ausgewertet hat. Die 18 Sprecherinnen und Sprecher – Mitglieder der Schauspielgruppe Die Kulisse sowie Kinder und Jugendliche aus der Musikschule Küsnacht-Thalwil – haben ihre Rollen in zwei Tagen im Tonstudio unter der Leitung von Tontechniker Andrea Wullschleger eingespielt. Der Audiowalk ist jederzeit frei zugänglich unter audiowalk-kuesnacht.ch; wer kein eigenes Gerät mitbringt, kann im Ortsmuseum während der Öffnungszeiten eines ausleihen.

Den Auftakt des VOK-Vereinsanlasses bildete eine Einführung im Ortsmuseum Küsnacht, wo das Konzept des Audiowalks vorgestellt und die Gruppe auf die bevorstehende Entdeckungsreise eingestimmt wurde. Erst dann machte man sich gemeinsam auf den Weg zu den einzelnen Hörstationen – dem Wetter zum Trotz, doch mit wachsender Begeisterung.

Die Führung lag in den Händen von Regina Neukom und Renate Muggli, die im Duett durch den Rundgang leiteten und mit Backstage-Informationen zur Entstehung des Projekts aufwarteten: Wie kam es zur Idee? Welche Herausforderungen stellte die Produktion? Wie wurde der Audiowalk finanziert, und welche Ziele verfolgt er? Diese Einblicke hinter die Kulissen verliehen der Führung eine zusätzliche Dimension, die weit über das blosse Zuhören hinausging.

Für die Akustik im Freien sorgte Otti Bisang mit zwei portablen Lautsprecherboxen – eine logistische Lösung, die sich bewährte und den Stationen ihren klanglichen Charakter bewahrte.

Ein besonderer Moment war der Abschnitt entlang des Dorfbachs mit dem Gemeinde- und dem Falkenplatz: Hier, wo das Wasser die Gemeinde seit Jahrhunderten begleitet, entfaltete der «Zeitfluss» seine eigentliche Wirkung. Geschichte wurde nicht erzählt, sondern akustisch und visuell erlebbar.

Den Abschluss des Nachmittags bildete eine gemütliche Runde im «Stübli» des Gasthofs Ochsen bei Tee und Kaffee. Im Gespräch wurden Produktion, Dramaturgie, Zielsetzung und Finanzierung des Projekts vertieft – und nicht zuletzt viele Wünsche für die Weiterentwicklung des Audiowalks geäussert.

Eindrücke aus der Runde

Was den Audiowalk aus kunsthistorischer wie dramaturgischer Sicht auszeichnet, ist sein ungewöhnlicher Zugang zur Lokalgeschichte: Die Handschrift und Regieanweisung von Renate Muggli verleihen dem Werk eine klare, durchdachte Struktur – unterhaltsam, abwechslungsreich und zu keiner Minute langweilig. Besonders hervorzuheben ist ein erzählerisches Verfahren, das in der Ortsgeschichte selten anzutreffen ist: Objekte werden zu Aktanten – sie erhalten eine Stimme, treten als Akteure auf und erzählen ihre eigene Geschichte. Der Begriff stammt aus der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) des französischen Soziologen und Wissenschaftsphilosophen Bruno Latour: In seinem Denken sind nicht nur Menschen handlungsfähige Akteure – auch Dinge, Orte und Objekte können «handeln», indem sie Beziehungen prägen, Bedeutungen tragen und Geschichten in Gang setzen. Ein Brunnen erinnert, eine Brücke verbindet, ein Bach erzählt, ein Blitzableiter spricht. Genau dieses Prinzip setzt der Audiowalk «Zeitfluss» auf bemerkenswerte Weise in Szene: Der Dorfbach, das Horn, ein altes Werkgebäude – sie alle werden zu Stimmen, die das Vergangene in die Gegenwart holen. Exemplarisch dafür ist die 13. und letzte Station am Küsnachter Horn, wo das Horn selbst das Wort ergreift und die Stimmen der Vergangenheit zum Schweigen bringt – für Renate Muggli nach eigenen Worten die Lieblingsszene der ganzen Produktion. Diese Entscheidung ist aussergewöhnlich gut gelungen und verleiht dem Audiowalk eine poetische Qualität, die weit über klassische Heimatkunde hinausgeht.

Als Quellenbasis dienen das Küsnachter Jahrheft und Oral-History-Zeugnisse – eine Verbindung, die dem Projekt wissenschaftliche Fundierung und persönliche Wärme gleichermassen sichert. Zum Leben erweckt werden die Texte durch Mitglieder der Theatergruppe «Die Kulisse» sowie durch Kinder und Jugendliche – keine Laiendarstellenden im üblichen Sinne, sondern Schauspielerinnen und Schauspieler, die ihrer Aufgabe mit bemerkenswerter Spielfreude gerecht wurden.

Der Nachmittag endete mit dem gemeinsamen Wunsch, dieses Projekt weiterzuführen und auszubauen. Der «Zeitfluss» hat gezeigt, was möglich ist, wenn lokales Wissen, szenische Kraft und klanglich gestaltete Erinnerung zusammenfinden. Wer den Walk noch nicht kennt: Er ist jederzeit frei zugänglich – einfach Kopfhörer eingesteckt und unter audiowalk-kuesnacht.ch gestartet.

Die Kommentare sind geschlossen.