Vortrag zur Bau- und Forschungsgeschichte des Höchhus – 16. März 2026

16. März 2026: Vortrag zur Bau- und Forschungsgeschichte
des Höchhus in Küsnacht

Seit Januar 2026 hat das Höchhus in Küsnacht sein Leben zurück:
Bibliothek und Galerie sind nach rund eineinhalb Jahren Sanierung an ihren
historischen Standort zurückgekehrt. Doch was steckt hinter den Mauern
dieses aussergewöhnlichen Gebäudes – eines der ältesten Profanbauten am
Zürichsee? Am 16. März 2026 gaben Archäologen und
Denkmalpfleger des Kantons Zürich Antworten.

Das Höchhuus in Küsnacht, Aussenansicht
Das Höchhus in Küsnacht – möglicherweise um 1235 als gemauerter
Doppelwohnturm erbaut, 2023 unter kantonalen Denkmalschutz gestellt
und Ende 2025 erfolgreich saniert.

Frisch saniert – und voller Geschichte

Mit einem Kredit von 3,26 Millionen Franken, genehmigt an der
Gemeindeversammlung vom 5. Dezember 2022, wurde das Höchhus umfassend
saniert. Ende 2025 waren die Arbeiten abgeschlossen – trotz der
anspruchsvollen Rahmenbedingungen, die ein Gebäude unter kantonalem
Denkmalschutz mit sich bringt. Seit dem 31. Januar 2026 empfängt die
Gemeindebibliothek Küsnacht ihre Besucherinnen und Besucher wieder in
den frisch renovierten Räumen, und auch die Galerie hat ihren Betrieb
wieder aufgenommen.
Doch das Höchhus ist weit mehr als eine Hülle für Bibliothek und Galerie.
Es gilt als einer der bedeutendsten architekturgeschichtlichen Zeugen am
Zürichsee – entstanden möglicherweise bereits um 1235. Was Archäologen
und Denkmalpflegerinnen bei ihren Untersuchungen herausgefunden haben,
bleibt oft im Verborgenen. Dieser Abend lüftete den Schleier.


800 Jahre in Stein gemeisselt – ein kurzer Blick in die Geschichte

Der mittelalterliche Kern des Höchhus besteht aus einem quadratischen
Turm und einem rechteckigen Gebäude, die beide gleichzeitig und aus einem
Gusse errichtet wurden – wie Mauertechnik und Ecksteinbearbeitung eindeutig
belegen. Die Mauern sind bis zu 1,2 Meter stark. Ursprünglich besass das
Gebäude zwei gemauerte Geschosse, verbunden durch Türen im ersten Stock;
erst im 17. Jahrhundert erhielt es ein drittes Steingeschoss und den
charakteristischen Riegelwerk-Oberbau mit Krüppelwalmdach.
Lange war unklar, ob es sich beim Höchhus um eine Burg handelte.
Die Antwort der Forschung ist eindeutig: nein – aber auch nicht ein
gewöhnliches Bauernhaus. Der Bau gehört zu einer wenig bekannten Gruppe
mittelalterlicher «gemauerter Stöcke» – solider,
repräsentativer Verwaltungsbauten des niederen Adels, die weniger der
Kriegsführung als dem Sozialprestige, der Aufbewahrung von Vorräten und
Zehnten sowie der Verwaltung von Grundherrschaften dienten.
Die wahrscheinlichste Deutung: Das Höchhus war ein Verwaltungsgebäude
der Zürcher Ritterfamilie Mülner, welche im 14. Jahrhundert
die Reichsvogtei über Küsnacht zu Lehen trug. Nach dem Übergang der Vogtei
an die Stadt Zürich im Jahr 1384 verlor das Gebäude seine administrative
Funktion und ging in private Hände über. Handwerker, Fischer, Schneider,
Maurer und zeitweise sogar ein Arzt haben seither in seinen Mauern
gewohnt und gearbeitet.
Bei der Renovation von 1971–1973 konnten entscheidende
neue Erkenntnisse gewonnen werden: Eine freigelegte, grossformatige
Spitzbogentüre im Erdgeschoss liess auf die ursprüngliche Nutzung als
Aufbewahrungsort des Zehnten schliessen – ein Zehntengebäude
also, das möglicherweise auch mit einer Schiffshaabe am See und der
Sicherung des Hafens zusammenhing. Das charakteristische
Ähren- oder Fischgratmuster im Mauerwerk des Viereckturms
deutet zudem darauf hin, dass der Bau noch in die Zeit vor der
Regensberger Herrschaft (1100–1267) zurückreicht.

Das Höchhuus in Küsnacht, Aufnahme von 1959
Das Höchhus von Nordwesten, aufgenommen 1959 – vor der grundlegenden
Renovation von 1971–1973, bei der wichtige neue Erkenntnisse zur
Baugeschichte gewonnen wurden.

📚 Quellen zur Geschichte des Höchhus

Die Forschungsgeschichte des Höchhus ist eng mit dem
Küsnachter Jahresheft verbunden. Bereits 1966 veröffentlichte
der Historiker Hans Kläui eine grundlegende Untersuchung
zur Bau- und Besitzergeschichte. 1976 folgte ein Bericht von
Christian Frutiger über die Renovation und den Umbau
von 1971–1973, der wichtige neue Befunde zur Datierung und
Nutzungsgeschichte des Doppelturmes enthielt. Beide Aufsätze sind auf
ortsgeschichte-kuesnacht.ch zugänglich.


Der Vortrag: Baustelle als Forschungslabor

Sanierungen historischer Gebäude sind stets auch eine wissenschaftliche
Chance: Baubegleitende Untersuchungen ermöglichen Einblicke, die im
Normalbetrieb verborgen bleiben. Am Veranstaltungsabend begann zunächst
ein kurzer Rundgang um das Höchhus, bei dem die
markantesten Baumerkmale des Aussenbereichs erläutert wurden. Anschliessend
folgte im Innern eine kompakte Präsentation zur Bau- und
Forschungsgeschichte des Gebäudes – von den hochmittelalterlichen Anfängen
bis zu den aktuellen Erkenntnissen aus der soeben abgeschlossenen Sanierung.


Die Referentinnen und Referenten

Es referierten drei ausgewiesene Fachleute der kantonalen Verwaltung:

  • Werner Wild (Hauptreferent) – Kantonsarchäologie Zürich,
    Amt für Raumentwicklung, Archäologie und Denkmalpflege,
    Teilbereich Mittelalter und Neuzeit
  • Ulla Wingenfelder – Mitarbeiterin Kantonsarchäologie Zürich
  • Martin Benz – Mitarbeiter Kantonale Denkmalpflege
  • Nadia König – Mitarbeiterin Kantonale Denkmalpflege

Das Zusammenspiel von Archäologie und Denkmalpflege machte diesen Abend
besonders: Zwei Disziplinen, die beim Höchhus Hand in Hand gearbeitet haben,
berichteten aus erster Hand.


Eingebettet in die Wiedereröffnung des Höchhus

Der Vortrag wurde von Ortsgeschichte Küsnacht organisiert
und in Kooperation mit der Gemeindebibliothek Küsnacht
durchgeführt. Er reihte sich ein in den Reigen der
Wiedereröffnungsveranstaltungen rund ums Höchhus: Die feierliche
Eröffnung des sanierten Gebäudes findet am 28. März 2026
statt – ein weiterer Anlass, den man vormerken sollte.


Praktische Informationen

  • 📅 Datum: Montag, 16. März 2026
  • 🕠 Beginn: 17:30 Uhr
  • 🕠 Vortrag bis: ca. 18:20–18:30 Uhr
  • 🥂 Apéro: anschliessend bis 19:00 Uhr
  • 📍 Ort: Höchhus, Küsnacht
  • 🪑 Kapazität: ca. 30 Sitzplätze + einige Stehplätze – leider ausgebucht.

⚠️ Leider ausgebucht

Die Veranstaltung ist vollständig ausgebucht. Die Forschungsergebnisse von Werner Wild und seinem Team werden im Küsnachter Jahrheft 2026 ausführlich publiziert – dort können Sie alles nachlesen.

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